Von der Idee zur Umsetzung

Für professionelle Hamburger Tanz- oder Theatergruppen ist es nahezu unmöglich, in Hamburg geeignete Probenräume zu vernünftigen Konditionen anzumieten. Also beschlossen wir, dauerhaft eine Lösung für dieses Problem zu schaffen. Und wir begannen, nach Räumen zu suchen – und zu suchen – und zu suchen.

Nach zwei Jahren erfolgloser Suche (immer mal wieder eine kleine Zwischennutzung hier und da, aber nichts Dauerhaftes, nichts wirklich Geeignetes) bekamen wir von der Kreativgesellschaft den entscheidenden Tipp: schaut Euch doch mal die ehemalige Theaterfabrik am Wiesendamm 24 in Barmbek an!

Natürlich kannten wir die Theaterfabrik. 2006 hatte uns die Schauspielerin Nina Petri mit Dramaturg Christian Reichel und Regisseur Nils-Daniel Finckh ihr neues Projekt vorgestellt. Doch schon im Herbst 2007 mußte der Spielbetrieb aus finanziellen Gründen eingestellt werden. Die MacherInnen hatten die Dimensionen des Projekts etwas überschätzt. Seitdem wurde das Objekt nur noch von verschiedenen Firmen zwischengenutzt. Auch für unsere Ansprüche war der Wiesendamm 24 viel zu groß und zu unattraktiv: über 1.000 m2, dazu horrende Betriebskosten, weil nicht wärmegedämmt. Außerdem war die Halle viel zu hoch.

Doch Egbert Rühl von der Kreativgesellschaft hatte noch eine andere Idee. Durch seine Arbeit seien ihm viele theatrale Projekte und Institutionen bekannt, die gerade dringend neue Räumlichkeiten suchten, erklärte er. Er wolle uns mal alle zusammenbringen.

Dies geschah im Frühjahr 2011. Auf einmal saßen zehn verschiedene Institutionen und Ensembles, die allesamt seit Jahren erfolgreich und kontinuierlich in der Hamburger Theaterwelt arbeiten, an einem Tisch und überlegten, wie sie vielleicht in Zukunft “gemeinsam wohnen” könnten: Kindertheater, Moderner Tanz, Behindertentheater, Theater mit Migranten, Musiktheater, Freie Szene, russisches Theater, Schauspielschule, etc. Die Vorstellung, all diese verschiedenen Künste, KünstlerInnen und Energien im wahrsten Sinne des Wortes “unter ein Dach zu bringen” verschlug uns fast den Atem. Was für ein faszinierendes Projekt!

Seitdem haben wir es geschafft, gemeinsam mit der Planungsabteilung des Eigentümers der Immobilie, der Sprinkenhof AG, ein Nutzungskonzept zu entwickeln. Es ruht auf drei Säulen: Bescheidenheit, Wirtschaftlichkeit, Synergie. Wir haben ein Raumkonzept geplant, das es ermöglicht, eine große Zahl an Probenräumen ohne Säulen sowie Büro-, Lager- und Werkstatträume in das Objekt einzubauen. Das gelingt vor allem durch den Einbau eines Zwischengeschosses mit mehr als 600 zusätzlichen Quadratmetern in die über 7 Meter hohe Halle. Durch ein geschicktes Licht- und Belüftungskonzept wird das Kellergeschoss komplett in die Bewirtschaftung mit einbezogen – dort werden 25 Musiker-Probenräume nach den neusten Standarts entstehen. Natürlich haben wir auch daran gedacht, möglichst wenig Energie zu verbrauchen und einen erhöhten Schallschutz zu gewährleisten. Ganz wichtig war uns bei der Planung, dass das Gebäude “durchlässig” ist, damit Menschen sich eingeladen fühlen, in die WIESE zu kommen, damit man die Produktivität und die Entstehung von darstellender Kunst quasi miterleben kann. Gemeinschaftliche Büros, gemeinsam genutzte Sanitärbereiche und eine Vermietungsdisposition, die auf einer “möglichst-24-Stunden-Nutzung” der Räumlichkeiten basiert, bringen die Synergie-Effekte.

Die Bezirksversammlung Nord konnten wir von unserem Vorhaben überzeugen. Sie ist inzwischen Genossenschaftsmitglied. Die Hamburgische Bürgerschaft hat einen Beschluss gefasst, in dem sie die kulturelle Nutzung für das Gebäude wünscht. Wir den Kulturpolitikern dieser Stadt das Projekt vorstellen dürfen und überall Unterstützung und Zustimmung signalisiert bekommen. Die Kulturbehörde Hamburg hilft und unterstützt uns mit Rat und Tat – und auch mit Geld. Und – sehr wichtig – die Sprinkenhof AG, namentlich Vorstand Herr Zunke, Projektleiter Herr Pusch sowie die Architekten Feierabend und Thiessen, nehmen uns ernst und wollen das Projekt mit uns durchführen. Und seit ein paar Wochen wissen wir: Die WIESE erhält im Rahmen des Bundesprogramms zur Sanierung von Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen (ZIP Sanierung SJK) insgesamt 1.213.720,- Euro.

Die Vorstellung, dass eines Tages Künstler aller Genres in der WIESE summen und brummen, dass dort eines Tages “Theater made in Hamburg” entsteht und dass wir vielleicht ein Projekt in Barmbek verwirklichen, das auch eine überregionale Strahlkraft entwickelt und als Modell für andere Metropolen dient – diese Vorstellung gibt uns Kraft und Power, an der Realisierung dieses Großprojekts zu arbeiten.

Wir stehen also im Moment an einer Stelle, wo die WIESE organisatorisch und architektonisch durchgeplant ist, finanziell auf guten Füßen steht und realisiert werden kann. Dennoch brauchen wir Sie! Wenn Sie Interesse haben, uns bei dieser Aufgabe zu unterstützen und Miteigner der WIESE zu werden, dann werden Sie Genossenschaftsmitglied. Wir suchen Menschen, die Lust haben, Ihr Kapital in ein sinnvolles, nachhaltiges und kulturell wertvolles Projekt zu investieren. Denen das Gefühl, eine spannende Kulturinitiative in der eigenen Stadt mit zu finanzieren mehr bedeutet, als nackte Investment-Performance. Treten Sie mit uns in Kontakt, wir freuen uns auf Sie!

Sören Fenner und Andreas Lübbers
Vorstände der Wiese-Genossenschaft

Tagged under:

Log in or Sign Up